Ad libitum ist lateinisch und heißt übersetzt soviel wie „nach Belieben“.

Um zu Verstehen, warum die ad-libitum-Fütterung von großem Vorteil ist, machen wir einen kurzen Ausflug in die Anatomie und Physiologie der Meerschweinchen:

Die Hauptnahrung der Wildmeerschweinchen sind Gräser. Zusätzlich fressen sie verschiedene Kräuter sowie Rinde, Zweige, Blätter und Pflanzenwurzeln. Auf diese Art der Ernährung ist ihr Verdauungssystem ausgelegt, welches bei unseren Hausmeerschweinchen immer noch auf die gleiche Art und Weise funktioniert.

Meerschweinchen haben einen dünnwandigen Magen und einen langen Darm (insgesamt 235 cm) mit geringer Peristaltik (Bewegung). Daher funktioniert die Verdauung der Tiere nur, wenn sie ständig fressen. Mit ständig fressen ist hier der unbegrenzte Zugang zu Frischfutter und Heu gemeint. Nicht, dass die Meerschweinchen 24 Stunden am fressen sind. In der Natur nehmen sie ca. 30 Mahlzeiten am Tag zu sich. Ein Meerschweinchen sollte also nie hungern müssen. Auch das Ausnüchtern vor einer OP kann tötlich für die Tiere sein.

Und hier kommt nun die ad-libitum-Fütterung ins Spiel. Die Tieren sollten also aus den unten aufgeführten Komponenten nach Belieben auswählen – selektieren – können und jederzeit Zugang zu ihnen haben. Da Meerschweinchen in der Heimtierhaltung kaum jederzeit Zugang zu einer Mischwiese haben, sollten für die Fütterung folgende Punkte beachtet werden:

1. Heu

  • Heu sollte an mehreren Stellen im Gehege angeboten werden, damit alle Tiere in Ruhe fressen können
  • eine Mischung aus 1. Schnitt, 2. Schnitt und Kräuterheu ermöglicht es den Tieren zu selektieren
  • Die Heuraufe sollte neu befüllt werden, wenn sie in etwa zur Hälfte leergefressen ist. Die Tiere sollten niemals gezwungen werden, alles aufzufressen. Auch dann ist ein Selektieren nicht mehr möglich und es werden eventuell schädliche Bestandteile aufgenommen
 

2. Grünfutter

Zum Grünfutter gehören Wiesengrün, Gemüsekraut und Pflanzen, Küchenkräuter, Blattgemüse und Blätter. 
 
  • Grünfutter ist wichtiger als Gemüse und die Tiere dürfen sich daran sattfressen
  • die Tiere sollten aus dieser Futtergruppe immer mehrere Komponenten zur Auswahl haben
 

3. Kräuter, Blätter und Blüten

 
  • gutes Heu enthält eine Vielzahl an Kräutern, Blättern und Blüten
  • bei schlechter Heuqualität oder im Winter können diese Komponenten auch getrocknet gefüttert werden

4. Gemüse

  • ersetzt teilweise das Grünfutter
  • wichtig für die Vitaminversorgung
  • es sollte immer soviel gefüttert werden, dass bis zur nächsten Fütterung noch Reste übrig sind
  • 200g – 300g kann ein Meerschweinchen täglich wegfuttern
  • bei übergewichtigen Meerschweinchen sollte nicht zuviel Knollengemüse gefüttert werden

5. Kerne und Sämereien

  • dient als Fettlieferant zur Verwertung der fettlöslichen Vitamine
  • Bei freier Auswahl rationieren die Tiere die Futtermenge selbst
  • ansonsten 1 Teelöffel Fettfutter pro Meerschweinchen und Woche

6. Zweige

  • Zweige von Büschen oder Bäumen dürfen auch zur freien Verfügung stehen
  • sie sind wichtig für den Zahnabriebd